Auf Initiative von Mainburgs Zweiter Bürgermeisterin Hannelore Langwieser (CSU) hat am 05.08.2025 eine Gruppe aus Mainburg das sektorenübergreifende Gesundheitszentrum „SOGESUND“ in Schongau besucht. Ziel des Ortstermins war es, sich ein umfassendes Bild von der seit März 2024 laufenden Umstrukturierung zu machen. Im Austausch mit Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU), Geschäftsführer Thomas Lippmann und der kaufmännischen Leiterin Gerda Hutter ging es um Versorgungssicherheit, Strukturentwicklung, politische Rahmenbedingungen und zukunftsfähige Modelle für die medizinische Versorgung im ländlichen Raum.

 

Im Bild (v.l.n.r.):
Björn Wilhelm, Thomas Lippmann, Gerda Hutter, Anna Lechner, Andrea Jochner-Weiß, Hannelore Langwieser, Sebastian Langwieser.

 

Ambulant und stationär verzahnt

Mit der Konzentration des stationären Regelbetriebs auf Weilheim und der Neuausrichtung in Schongau ist eine neue Versorgungsstruktur entstanden: das Gesundheitszentrum „SOGESUND“. Der Name spielt auf das Kfz-Kennzeichen „SOG“ für Schongau an – und steht zugleich für das sektorenübergreifende Versorgungskonzept im Landkreis. Ambulante und stationäre Leistungen werden hier eng verzahnt – gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), medizinischen Versorgungszentren (MVZ), niedergelassenen Fachärzten und weiteren Partnern. Ziel ist eine effiziente, ortsnahe Versorgung mit hoher medizinischer Qualität. Für die Besucher aus Mainburg bot sich positiver erster Eindruck: Die Einrichtung wurde baulich modernisiert und wirkt hell, funktional und patientenorientiert. Auch das Versorgungskonzept überzeugte – sowohl inhaltlich als auch wirtschaftlich.

 

Keine Leistungsgruppen notwendig

Ein zentraler Punkt: Auf die Frage der Mainburger zum Thema Leistungsgruppen – einem Begriff aus der Krankenhausfinanzierung, der zuletzt in der Diskussion um das Mainburger Krankenhaus eine Rolle spielte – erklärte Geschäftsführer Lippmann, dass diese für das Modell in Schongau nicht erforderlich seien, auch nicht für die stationären Anteile, die dort gezielt vorgehalten werden. Gleichwohl werde für Schongau vorsorglich die Beantragung der Leistungsgruppen Allgemeinchirurgie und Allgemeine Innere Medizin erfolgen – nicht aus inhaltlicher Notwendigkeit, sondern zur reinen Absicherung. Die Entscheidung hierfür liege aus Lippmanns Sicht bei der Geschäftsführung. Für den Geschäftsführer viel relevanter ist das konkrete Leistungsangebot und die sinnvolle Aufgabenteilung innerhalb des Klinikverbunds. Die Diskussion um formale Kriterien stelle aus Lippmanns Sicht häufig einen Nebenschauplatz dar und lenke vom eigentlichen Ziel ab: einer bedarfsgerechten und finanzierbaren Gesundheitsversorgung.

 

Was Schongau und Mainburg verbindet

Im Landkreis Weilheim-Schongau bestanden – wie in der Hallertau – zwei Plankrankenhäuser in der Trägerschaft des Landkreises. Mit dem Projekt SOGESUND wurde ab März 2024 ein neuer Weg eingeschlagen. Auch hier gab es zunächst Widerstände und einen Bürgerentscheid. Die Folge: Vertrauensverlust, Patientenschwund, Personalabgang. Viele Sorgen ähnelten jenen, die derzeit in Mainburg geäußert werden. „So gut die Initiative gemeint gewesen sein mag – sie hat die Unsicherheit verschärft und uns an den Rand der Existenz gebracht“, so Lippmann. Heute sehe man jedoch deutliche Fortschritte und ein wachsendes Vertrauen in das neue Modell – sowohl bei der Bevölkerung als auch beim Personal.

 

Landrätin Jochner-Weiß: „Erfolg braucht Zusammenhalt“

Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU) betont, dass der Erfolg solcher Modelle vom Zusammenhalt aller Beteiligten abhänge: Kreistag, Klinikleitung, Beschäftigte sowie Bürgerinnen und Bürger. Zwei Plankrankenhäuser nebeneinander in einem Landkreis seien vor dem Hintergrund gesundheitspolitischer Vorgaben nicht mehr leistbar. Es gehe nicht darum, was die Politik im Großen wolle, sondern darum, was gut für die Menschen im Landkreis sei. Die Lösung müsse den Bedürfnissen gerecht werden und finanzierbar sein. Genau das sei das Ziel in Schongau.

 

Spezialisierung als wirtschaftliches Prinzip

Geschäftsführer Lippmann stellte klar: Ein wirtschaftlicher Betrieb funktioniere nur durch eine klare Spezialisierung – ambulante Leistungen in Schongau, stationäre Versorgung in Weilheim. Diese Trennung schaffe Effizienz, sichere Qualität und sei Grundlage für tragfähige Strukturen. Eine pauschale Doppelausstattung führe hingegen zu Überkapazitäten und gefährde die finanzielle Stabilität.

Dadurch gestalte sich der Betrieb sowohl des Plankrankenhauses als auch des Zentrums wirtschaftlicher: Die OP-Kapazitäten in Weilheim würden nicht länger durch ambulante Eingriffe gebunden, was dort die Effizienz erhöhe. Gleichzeitig sei es auch für Patientinnen und Patienten attraktiv, da ambulante Operationen angeboten werden – bei gleichzeitiger Möglichkeit, auf eigenen Wunsch zur Nachsorge auf der Station im Gesundheitszentrum zu bleiben.

 

Medizinischer Mehrwert gegenüber früher

Die kaufmännische Leiterin Gerda Hutter machte deutlich, dass inzwischen deutlich mehr Fachärztinnen und Fachärzte tagsüber im Haus tätig seien, als dies noch in Zeiten der alten Struktur der Fall gewesen sei: Heute habe man Diabetologie, Orthopädie, Gastroenterologie, Onkologie und ab Oktober auch Neurologie im Portfolio. Die Versorgung erfolge sowohl durch festangestelltes Personal als auch durch sogenannte Hybridärzte, die auch im Partnerhaus in Weilheim tätig sind. Nicht ohne Stolz erklärte Hutter, man habe zu Beginn um jeden Arzt kämpfen müssen, inzwischen gebe es eine große Nachfrage von Fachärztinnen und Fachärzten, dort zu praktizieren. Das Modell biete Flexibilität und helfe dem ärztlichen Personal, Familie und Beruf besser in Einklang zu bringen.

 

Rund-um-die-Uhr-Versorgung

Neben dem erweiterten Tagesangebot steht im Zentrum auch eine Station mit ärztlicher Betreuung rund um die Uhr zur Verfügung. Hier kann die Anschlussversorgung von Notfallpatienten oder auch eine Nachsorge nach ambulanten Eingriffen erfolgen. Aus Sicht der Geschäftsführung mache die durchgehende ärztliche Präsenz den Unterschied zu einer reinen Tagesklinik deutlich und unterstreiche die Stärke des sektorenübergreifenden Konzepts.

 

Notfallversorgung im Alltag gesichert

Auch die Notfallversorgung bei alltäglichen Verletzungen wurde thematisiert. Gerda Hutter betonte, dass die Notfallambulanz werktags von 8 bis 18 Uhr ärztlich und pflegerisch besetzt ist und genau solche Fälle gut versorgt werden können. Dies wurde im Vorfeld mit dem Rettungsdienst abgestimmt – ebenso wie die Frage, welche Krankheitsbilder vor Ort behandelt werden und welche zwingend ein voll ausgestattetes Krankenhaus erfordern.
Geschäftsführer Lippmann ergänzte, dass sich die Zahl der Patientenkontakte in der Ambulanz inzwischen fast auf dem Niveau der früheren 24-Stunden-Notaufnahme bewegt – ein klares Signal, dass das neue Modell angenommen wird. Schwere Fälle müssen ohnehin weiterhin – wie früher – rund um die Uhr in spezialisierte Kliniken gebracht werden.

 

Versorgung bei Arbeitsunfällen

Auch die Versorgung bei Arbeits- und Schulunfällen wurde thematisiert. Gerda Hutter stellte klar: Für Schul- und Arbeitsunfälle stehe werktags ein sogenannter D-Arzt mit berufsgenossenschaftlicher Zulassung zur Verfügung. Das Gesundheitszentrum sei entsprechend ausgestattet, um diese Verletzungen sachgerecht zu versorgen. Die Berufsgenossenschaft unterstütze das Modell.

 

Zweite Bürgermeisterin Langwieser appelliert: Zusammenstehen!

Eines steht für Hannelore Langwieser nach dem Besuch in Schongau fest: Jetzt ist Zusammenhalt gefragt. Sie dankte allen Engagierten für ihre Beiträge, betonte jedoch, wie wichtig es sei, in der Sache gemeinsam, lösungsorientiert und transparent voranzukommen. „Es geht darum zu zeigen, wie sehr uns unser Krankenhaus am Herzen liegt – nicht darum, sich persönlich zu profilieren. Persönliche Inszenierungen und unrealistische Maximalforderungen wirkten wie Sand im Getriebe und gefährdeten die Existenz der medizinischen Versorgung vor Ort.

Von Landkreis und Klinikleitung erwartet Langwieser, öffentlich zu bestätigen, dass Leistungsgruppen für den Standort Mainburg weiterhin beantragbar sind – unabhängig von Fristen. Langwieser betont, nach dem Informationsbesuch sei deutlich geworden: Die Beantragung von Leistungsgruppen liege in der Verantwortung der Klinikgeschäftsführung. Für eine sektorübergreifende Versorgungseinrichtung seien sie zwar nicht erforderlich, aber auch nicht nachteilig. Deshalb appelliert sie an den Verwaltungsrat der Ilmtalklinik GmbH, sich – analog zur Praxis in Schongau – für eine vorsorgliche Beantragung am Standort Mainburg einzusetzen. Vom Landkreis fordert sie zusätzlich, Klarheit über das Leistungsprofil und die künftige Aufgabenverteilung zwischen Mainburg und Pfaffenhofen zu schaffen. „Ziel muss ein klarer Mehrwert für Mainburg sein – im besten Fall auch für Pfaffenhofen.“

 

Blick auf das Angebot des sektorübergreifenden Versorgungszentrums SOGESUND

  • deutlich erweitertes Facharztportfolio (u.a. Neurologie, Gynäkologie, Orthopädie, Diabetologie)
  • Physiotherapie
  • Ambulante Operationen und Schmerztherapie
  • Basislabor, Röntgen
  • Notfallambulanz (werktags 8:00–18:00 Uhr)
  • Internistische Station mit 24/7-Betreuung
  • Reha-Angebote, geriatrische Versorgung
  • D-Arzt-Zulassung für BG-Fälle
  • Permanenter Notarzt vor Ort

 

Fotos: CSU Mainburg