{"id":21606,"date":"2026-02-24T14:15:07","date_gmt":"2026-02-24T14:15:07","guid":{"rendered":"http:\/\/franns.de\/?p=21606"},"modified":"2026-02-24T14:44:37","modified_gmt":"2026-02-24T14:44:37","slug":"mein-morgenstern-handwerkskunst-trifft-poesie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/franns.de\/?p=21606","title":{"rendered":"&#8222;Mein Morgenstern&#8220; \u2013 Handwerkskunst trifft Poesie"},"content":{"rendered":"<h4>Sonderausstellung im Stadtmuseum \u00fcber handwerkliche Buchproduktion\u2028ist eine Hommage an Dichter Christian Morgenstern<\/h4>\n<p>Ein Buch mit Gedichten von Christian Morgenstern steht im Zentrum der Ausstellung \u201eMein Morgenstern\u201c. Das Besondere daran ist, wie kunstvoll die Gedichte in Szene gesetzt sind: auf handgesch\u00f6pftem Papier, von Hand gesetzt, gedruckt und gebunden. Seite f\u00fcr Seite Meisterwerke der Handwerkskunst, an denen \u00fcber 60 Spezialisten zwei Jahre lang gearbeitet haben. Erstmals pr\u00e4sentiert wurde das Buch, das in einer limitierten Auflage von 111 Exemplaren erschienen ist, im M\u00e4rz 2025 im Christian-Morgenstern-Museum in Werder zum 111. Todestag des Lyrikers. Seitdem tourt die Wanderausstellung durch Deutschland und macht nun von 1. M\u00e4rz bis 3. Mai 2026 Station im <a href=\"https:\/\/stadtmuseum-mainburg.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mainburger Stadtmuseum<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Details zur Sonderausstellung:<\/h4>\n<p>\u2022 Ort: Stadtmuseum Mainburg, Abensberger Str. 15<br \/>\n\u2022 Dauer: 01.03. \u2013 03.05.2026<br \/>\n\u2022 \u00d6ffungszeiten: So. 14.00 \u2013 17.00 \/ Mi. 09.30 \u2013 13.00 Uhr<br \/>\n\u2022 F\u00fchrungen f\u00fcr Gruppen, Schulen und Kinderg\u00e4rten auf Anfrage: Tel 08751 704611 \/ E-Mail: <a href=\"mailto:stadtmuseum@mainburg.de\">stadtmuseum@mainburg.de<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/stadtmuseum-mainburg.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.stadtmuseum-mainburg.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Pers\u00f6nliches Know-how aus Mainburg<\/h4>\n<p>M\u00f6glich gemacht hat die Ausstellung vor Ort Horst Pinsker, Drucktechniker und leidenschaftlicher Typograph. Als Mitglied des <a href=\"https:\/\/verein-fuer-die-schwarze-kunst.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vereins f\u00fcr die Schwarze Kunst<\/a> holt er \u201eMein Morgenstern\u201c nicht nur nach Mainburg, sondern bereichert die Ausstellung auch noch mit etwas ganz Pers\u00f6nlichem, womit keiner der anderen deutschen Ausstellungs-Standorte aufwarten kann: Pinsker bringt aus seiner pers\u00f6nlichen <a href=\"https:\/\/www.pinsker.earth\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Werkstatt f\u00fcr die Schwarze Kunst<\/a> eine Mini-Druckmaschine, einen kleinen \u201eBoston-Tiegel\u201c, mit und besondere Schmankerl traditioneller Druckkunst, wie beispielsweise ein Gebetbuch im Lichtdruck, ein nur noch seltenes Edeldruckverfahren. Und auf einer sogenannten \u201eNudel\u201c d\u00fcrfen die Besucher Bleisatz und Buchdruck selbst ausprobieren und das Ergebnis \u2013 nat\u00fcrlich ein Morgenstern-Zitat \u2013 mit nach Hause nehmen. \u201eDass Horst Pinsker die deutschlandweite Ausstellung in Mainburg m\u00f6glich macht, freut mich sehr!\u201c, so B\u00fcrgermeister Helmut Fichtner, \u201eDass er sie auch noch mit Mainburger Know-how erg\u00e4nzt, macht sie umso wertvoller und spannender!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Drucktechniken jetzt immaterielles Kulturerbe<\/h4>\n<p>Eine Rarit\u00e4t aus seiner pers\u00f6nlichen Sammlung liegt Horst Pinsker besonders am Herzen: ein Replikat der 42-zeiligen Gutenberg-Bibel, so gesehen die Anf\u00e4nge unserer heutigen Informationskultur. Denn genau das setzte Johannes Gutenberg in Bewegung, als er 1450 den Druck mit beweglichen Lettern erfand. Es war eine Medienrevolution im Sp\u00e4tmittelalter, die das Abschreiben von B\u00fcchern \u00fcberfl\u00fcssig machte und Bildung \u2013 langsam, aber sicher \u2013 zu den Menschen brachte. Die erste gedruckte Bibel, wie sie bei der Ausstellung im Stadtmuseum zu sehen ist, war wohl das erste Druckerzeugnis, das unsere Vorfahren zu Gesicht bekamen. \u201eUnd \u201aMein Morgenstern\u2018 zeigt, wie heutige Designer und Typographen das alte Handwerk kunstvoll interpretieren.\u201c, erkl\u00e4rt Horst Pinsker. \u201eNicht umsonst wurden die k\u00fcnstlerischen Drucktechniken 2018 zum immateriellen Kulturerbe erkl\u00e4rt. Sie sind Kulturgeschichte!\u201c Und genau dieses Erbe zu bewahren, hat sich der Verein f\u00fcr die Schwarze Kunst, dem Horst Pinsker auch angeh\u00f6rt, auf die Fahnen geschrieben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Von der Idee zum Kunstwerk auf Tournee<\/h4>\n<p>Die Idee zur Ausstellung \u201eMein Morgenstern\u201c entstand bei einem der Treffen des Vereins f\u00fcr die Schwarze Kunst, wo sich Spezialisten aus ganz Deutschland regelm\u00e4\u00dfig vernetzen. Es war die Idee, den 111. Todestag des Dichters Christian Morgenstern im M\u00e4rz 2025 zu ehren. Der Lyriker, geboren 1871 in M\u00fcnchen, entstammte einer Malerfamilie. Auch wenn er keine Pinsel und Farben benutzte \u2013 das Gestalterische findet sich in seinen Texten in einer sehr bildhaften Sprache wieder. \u201eEs ist dieses Spielerische in seinem Werk, das Typographen lieben, aufs Papier zu bringen\u201c, erkl\u00e4rt Willi Beck, stellvertretender Vorsitzender des Vereins f\u00fcr die Schwarze Kunst und einer der Initiatoren der Ausstellung. \u201eAus Morgensterns Inspiration ist etwas ganz Gro\u00dfes geworden! Wunderbar witzige Gedichte, kreativ gesetzt und gedruckt auf handgesch\u00f6pftem Papier!\u201c Eine Idee, f\u00fcr die Willi Beck auch die Papierm\u00fchle Homburg, den Verein Meister der Einbandkunst und die B\u00fcchergilde Gutenberg gewinnen konnte. Zusammen stellten sie in einer \u00fcberregionalen Kooperation 111 handgemachte Ausgaben des Buches her \u2013 in 22 Einband-Varianten, gestaltet von verschiedenen Einband-K\u00fcnstlern. Auf 4.000 handgesch\u00f6pften Papierb\u00f6gen entstanden in sechs Werkst\u00e4tten 10.000 Handpressendrucke \u2013 in Szene gesetzt von \u00fcber 60 Meistern ihres Faches.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Erlebnis vor Ort<\/h4>\n<p>Die Mainburger Ausstellung zeigt neben den 22 prachtvollen Buchausgaben 44 Druckgrafiken von 29 Designern, darunter auch viele junge K\u00fcnstler. Zu sehen sind auch Werkzeuge wie Bleisatzformen, Lithosteine, Linolschnitte, Original-Holzstiche, die Einblicke in den Entstehungsprozess des Projektes geben. Nicht zu vergessen: \u201edie Punkte auf dem i\u201c: drucktechnische Sch\u00e4tze von Pinsker Druck und Medien, von der Buchbinderei Obermeier aus Rottenburg und aus der Werkstatt f\u00fcr Schwarze Kunst, in denen die Sch\u00f6nheit der analogen Kommunikation greifbar wird: etwa die Erstausgabe der \u201eAnleitung zur deutschen Rede-Zeichen-Kunst oder Stenographie von Franz Xaver Gabelsberger\u201c oder die Bibliographien von Antonius Stradivarius. \u201eMein Morgenstern zeigt die beeindruckende Bandbreite handwerklicher Buchpr\u00e4sentation\u201c, freut sich Museumsleiter Dr. Andreas K\u00fchne auf die Sonderausstellung. \u201eEine poetische Ausstellung \u00fcber alte Handwerkskunst, die im Zeitalter von Internet und KI ein kulturgeschichtliches Erlebnis f\u00fcr Gro\u00df und Klein ist! Auch Familien und Schulklassen sind herzlich willkommen!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/franns.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Sonderausstellung-Mein-Morgenstern-Stadtmuseum-Mainburg-03-2026-b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-21608\" src=\"http:\/\/franns.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Sonderausstellung-Mein-Morgenstern-Stadtmuseum-Mainburg-03-2026-b.jpg\" alt=\"\" width=\"1140\" height=\"1612\" srcset=\"http:\/\/franns.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Sonderausstellung-Mein-Morgenstern-Stadtmuseum-Mainburg-03-2026-b.jpg 1140w, http:\/\/franns.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Sonderausstellung-Mein-Morgenstern-Stadtmuseum-Mainburg-03-2026-b-212x300.jpg 212w, http:\/\/franns.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Sonderausstellung-Mein-Morgenstern-Stadtmuseum-Mainburg-03-2026-b-724x1024.jpg 724w, http:\/\/franns.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Sonderausstellung-Mein-Morgenstern-Stadtmuseum-Mainburg-03-2026-b-768x1086.jpg 768w, http:\/\/franns.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Sonderausstellung-Mein-Morgenstern-Stadtmuseum-Mainburg-03-2026-b-1086x1536.jpg 1086w\" sizes=\"(max-width: 1140px) 100vw, 1140px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Interview<\/h1>\n<h4>Dresden, K\u00f6ln, M\u00fcnchen, Hamburg, Mainburg!<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Horst Pinsker holt die Wanderausstellung \u201eMein Morgenstern\u201c in die Hopfenstadt \u2013 ein Gespr\u00e4ch mit einem begeisterten Schriftsetzer, Drucker und leidenschaftlichem Typografen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Lieber Herr Pinsker, Sie haben die Ausstellung \u201eMein Morgenstern\u201c im Herbst 2025 in K\u00f6ln gesehen. Was hat Sie pers\u00f6nlich an der Ausstellung fasziniert?<\/em><\/p>\n<p><strong>Horst Pinsker:<\/strong> Diese Ausstellung verk\u00f6rpert alles, was ich unter \u201eSchwarzer Kunst\u201c verstehe. Hier kommen saubere Typographie, perfekter Druck, traditionelles Buchbinderhandwerk und edles Papier zusammen. Und wenn man wei\u00df, wie viel Fachwissen und handwerkliches K\u00f6nnen in den zahlreichen Arbeitsschritten steckt, dass hier kein St\u00fcck Software zum Einsatz kommt, zur Produktion keine Kilowattstunde Strom f\u00fcr die Produktion ben\u00f6tigt wurde, alles hergestellt mit Manneskraft und Frauen-Power \u2013 dann empfindet man h\u00f6chsten Respekt vor diesen Berufen und vor den Kolleginnen und Kollegen vergangener Zeiten. Au\u00dferdem fand ich es besonders beeindruckend, dass die meisten Beteiligten keine so alten Schwarzk\u00fcnstler wie der Willi Beck und ich sind, sondern junge Handwerkerinnen, Handwerker und K\u00fcnstler, die diese Tradition leben, weiterf\u00fchren und auf ihrer Grundlage neue Gesch\u00e4ftsmodelle entwickeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Die Ausstellung tourt seit M\u00e4rz 2025 nun f\u00fcr rund zwei Jahre durch gro\u00dfe St\u00e4dte Deutschlands und sogar in die Schweiz. Wie haben Sie es geschafft, \u201eMein Morgenstern\u201c nach Mainburg zu holen?<\/em><\/p>\n<p><strong>Horst Pinsker:<\/strong> Mit etwas \u00dcberzeugungsarbeit und einer Portion Gl\u00fcck! Mitte September 2025 war die Ausstellung in der Kunst- und Museumsbibliothek in K\u00f6ln zu sehen. Dort habe ich sie im Rahmen unserer Jahrestagung des Vereins f\u00fcr die Schwarze Kunst erstmals besucht. Da war ich sehr bewegt und habe die Verantwortlichen gefragt, ob die Ausstellung auf ihrer Wanderschaft nicht auch in der Hallertau Station machen k\u00f6nnte. Man versprach, das wohlwollend zu pr\u00fcfen. Eine Woche sp\u00e4ter kam der Anruf: Der geplante Termin im Gutenberg-Museum in Mainz musste wegen Umbauverz\u00f6gerungen verschoben werden. Dadurch ergab sich im M\u00e4rz und April 2026 ein Zeitfenster. Und das konnten wir nutzen! Nun kommt \u201eMein Morgenstern\u201c in unsere Hopfenstadt, gewisserma\u00dfen als \u201eMAI Morgenstern\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201eMAI Morgenstern\u201c passt sehr gut &#8211; zumal Sie die Ausstellung mit wertvollen Sammlerst\u00fccken und kunstvollen Drucken Ihrer hiesigen Werkstatt bereichern! Worauf d\u00fcrfen sich die Besucher freuen?<\/em><\/p>\n<p><strong>Horst Pinsker:<\/strong> Ich bringe zum Beispiel das \u201eIlustrirte Buchbinderbuch\u201c aus dem Jahr 1868 mit. Dieses Buch hat mein Urgro\u00dfvater im Juni 1873 zur bestandenen Meisterpr\u00fcfung als Buchbinder bekommen \u2013 ein besonderes Familienerbst\u00fcck. Au\u00dferdem zeige ich ein Werk von P. Abraham a Santa Clara von 1711, das sich dem ehrenwerten Beruf des Buchdruckers und Buchbinders widmet, sowie den aktuellen Kalender zur Karwoche und zur Osteroktav \u201eDer Sieg des Lebens \u00fcber den Tod\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Was kann uns die Ausstellung \u201eMein Morgenstern\u201c im Zeitalter von Touchscreen, Internet und KI mit auf den Weg geben?<\/em><\/p>\n<p><strong>Horst Pinsker:<\/strong> Digitale Medien sind aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken. Dennoch haben analoge Dinge nach wie vor ihren besonderen Reiz. Nat\u00fcrlich freut man sich \u00fcber eine nette WhatsApp-Nachricht. Aber eine sch\u00f6ne Karte, ein handgeschriebener Brief auf B\u00fcttenpapier, ein gutes Buch oder eine gedruckte Zeitung besitzen einen eigenen Tiefgang und haben eine ganz eigene Wertigkeit. Oder um es mit Marie von Ebner-Eschenbach zu sagen: \u201eSo manches papierene Denkmal hat mehr Bestand als ein Denkmal aus Erz.\u201c<\/p>\n<p>Foto Horst Pinsker: Stadtmarketing Mainburg \/ Foto Entstehungsprozess: Verein f\u00fcr die Schwarze Kunst e.V.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"qua-blog-post-description\">Sonderausstellung im Stadtmuseum \u00fcber handwerkliche Buchproduktion\u2028ist eine Hommage an Dichter Christian Morgenstern Ein Buch mit Gedichten von Christian Morgenstern steht im Zentrum der Ausstellung \u201eMein Morgenstern\u201c. Das Besondere daran ist, wie kunstvoll die Gedichte in Szene gesetzt sind: auf handgesch\u00f6pftem Papier, von Hand gesetzt, gedruckt und gebunden. 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