Stadt Mainburg drängt nach jahrelangem Stillstand auf eine tragfähige und finanzierbare Lösung für das Gebäude Marktplatz 14
Warum steht das frühere Brauereigebäude am Marktplatz 14 unter Denkmalschutz, während das um 1890 errichtete Polizeigebäude in der Freisinger Straße 16 abgebrochen werden kann? Dieser Frage ist Erste Bürgermeisterin Karoline Fritz-Ertlmaier gemeinsam mit der Bauverwaltung im Zuge des geplanten Polizeineubaus erneut nachgegangen.
Entscheidend ist nicht allein das Alter eines Gebäudes, sondern seine besondere geschichtliche, architektonische oder städtebauliche Bedeutung und die erhaltene historische Substanz. Beim Polizeigebäude wurde bislang kein ausreichender Denkmalwert festgestellt. Marktplatz 14 gilt dagegen aufgrund seines bis ins 17. Jahrhundert zurückreichenden Kerns, seiner historischen Bauteile und seiner Bedeutung für die Mainburger Stadtgeschichte als Baudenkmal. Hinzu kommt seine Lage im besonders geschützten historischen Innenstadtbereich: Das Gebäude prägt den Marktplatz und ist Teil des gewachsenen Stadtbildes.
„Die unterschiedliche Einstufung ist fachlich begründbar. Trotzdem muss nachvollziehbar erklärt werden, warum das markante Polizeigebäude abgebrochen werden darf, während bei Marktplatz 14 trotz seines äußerst schlechten Zustands weitreichende Anforderungen gestellt werden“, erklärt Fritz-Ertlmaier.
Das Gebäude beschäftigt die Stadt bereits seit vielen Jahren. Eine technisch und wirtschaftlich tragfähige Lösung wurde bislang nicht gefunden, während der Verfall voranschreitet. Teile des Innenraums müssen abgestützt werden, das Mauerwerk ist stark durchfeuchtet und der Dachstuhl undicht.
Noch bevor über eine Sanierung oder einen Teilneubau entschieden werden könnte, wären umfangreiche Untersuchungen und Gutachten erforderlich. „Allein diese Vorleistungen würden unverhältnismäßig hohe Kosten verursachen und erhebliche Steuermittel binden – ohne Gewähr, dass anschließend eine umsetzbare Sanierung möglich ist“, so die Bürgermeisterin.
Gerade angesichts der angespannten kommunalen Haushalte müsse auch die Finanzierung ehrlich benannt werden: „Die Kommunen sind am Limit. Wir müssen unsere Pflichtaufgaben erfüllen und können nicht unbegrenzt Steuergeld für Untersuchungen und Auflagen einsetzen, wenn weder die Finanzierung noch eine realistische Nutzungsperspektive gesichert sind. Aufwand und Nutzen stehen für mich derzeit in keinem vertretbaren Verhältnis“, so Karoline Fritz-Ertlmaier.
Die Stadt schlägt deshalb einen Kompromiss vor: Der schwer geschädigte Baukörper soll einem qualitätsvollen Neubau weichen dürfen. Historisch wertvolle Bestandteile – insbesondere die Bierkeller, geeignete Balken, Säulen und der Brauereikamin – sollen erhalten und in das neue Gebäude integriert werden.
„Wir wollen die Geschichte des Ortes und das historische Stadtbild bewahren, aber nicht um den Preis eines weiteren jahrelangen Stillstands“, betont Fritz-Ertlmaier. „Die Lösung muss technisch machbar, dauerhaft nutzbar und für die Stadt bezahlbar sein.“
Ende Juli 2026 findet dazu ein weiterer Vor-Ort-Termin mit hohen Vertretern des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege und der Unteren Denkmalschutzbehörde statt. Ziel ist es, die Auflagen deutlich zu reduzieren, Finanzierungsmöglichkeiten zu klären und einen tragfähigen Konsens zu erreichen. Andernfalls droht der weitere Verfall.
Aufgrund der unterschiedlichen denkmalfachlichen Bewertung beider Gebäude haben in den vergangenen Wochen zahlreiche Gespräche mit dem Staatlichen Bauamt, dem Polizeipräsidium Niederbayern und der Polizeiinspektion Mainburg stattgefunden. „Das waren nicht immer einfache Gespräche – aber notwendige und längst überfällige“, betont Fritz-Ertlmaier. Sie bedankt sich ausdrücklich bei allen Beteiligten für den offenen und verständnisvollen Austausch.
Bei einer gemeinsamen Besichtigung von Marktplatz 14 sei der Handlungsbedarf unmittelbar deutlich geworden: „Wer das Gebäude betritt, sieht, riecht und spürt seinen tatsächlichen Zustand.“
Die Stadt sei dankbar, die Polizei in Mainburg zu haben, und unterstütze den geplanten Neubau ausdrücklich. „Wir wollen das Vorhaben nicht verzögern, sondern den Bauprozess konstruktiv begleiten. Gleichzeitig müssen die Entscheidungsgrundlagen für Stadtrat und Bevölkerung ausnahmslos transparent und nachvollziehbar sein. Das hat für mich oberste Priorität.“
Gerade weil nun mit dem Bebauungsplan die nächsten entscheidenden Schritte anstehen, sei der Zeitpunkt für die Klärung richtig. In der kommenden Woche wurde ein Infotermin für den Stadtrat angesetzt. Vor der weiteren Behandlung sollen die fachlichen Grundlagen umfassend erläutert werden. Auch die Bürgerinnen und Bürger werden über die weitere Entwicklung informiert; bei Bedarf ist eine öffentliche Informationsveranstaltung vorgesehen.
Fotos: Cornelia Kroiß, Stadt Mainburg